Arbeitssicherheit - Lötrauch

Einhaltung der AGW (Arbeitsplatzgrenzwerte) steht der Anerkennung einer chronischen obstruktiven Lungenerkrankung als Berufskrankheit nicht entgegen

Im Niedrigkonzentrationsbereich können arbeitsbedingte Atemwegserkrankungen durch  toxisch-irritative Schadstoffe verursacht werden.

Die Entscheidung des Gerichts beruht auf der Grundlage des Gutachtens eines Arbeitsmediziners und Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde. Nach der gesetzlichen Definition gibt der AGW an, bis zu welcher Konzentration im Allgemeinen nicht bestehe. Dies schließt eine schädliche Auswirkung im Einzelfall nicht von vorn herein aus. Des Weiteren beinhalte Lötrauch ein sehr komplexes Schadstoffgemisch, aus dem u. a. Summationseffekte der Gefahrstoffe resultieren. Die beklagte Berufsgenossenschaft habe keine konkreten Schadstoffmessungen am Arbeitsplatz durchgeführt. Die BG habe sich in seiner Stellungnahme nur auf einzelne Schadstoffe bezogen. Insbesondere bestehe mit Wahrscheinlichkeit ein ursächlicher Zusammenhang zwischen der schwergradigen Lungenerkrankung und den beruflichen Schadstoffeinwirkungen der geschädigten Person. Auch der Zwang zur Aufgabe der Tätigkeit wurde vom Gericht bejaht, weil die Klägerin nach einem erstellten Gutachten selbst leichte Tätigkeiten auf dem allgemeinem Arbeitsmarkt nur noch weniger als drei Stunden täglich verrichten könne.

Quelle: Sozialgericht Karlsruhe, Urteil vom 14.12.2016 S 1 U 3686/15